Regenwassernutzung

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Nach der europäischen Trinkwasserverordnung, [1] kann Wasser im Haushalt, welches nicht zum Trinken und zur Körperpflege benötigt wird durch sogenanntes Brauchwasser ersetzt werden. In Europa sind dies zumeist Toilettenspülung, Wäschewaschen oder Gartenbewässerung. Selbst ein sparsamer Haushalt kann so bis zu 50 l/Person und Tag Trinkwasser einsparen. Dies macht etwa 50 % des Gesamtverbrauches aus.

In vielen Ländern ist es üblich das Regenwasser auch für die Hygiene, vor allem zum Duschen zu verwenden. In vielen Gebieten der Welt muss unaufbereitetes Regenwasser auch als Trinkwasser verwendet werden.

Regenwasser

Mit den heutigen Technologien, wie z.B. den PURAIN Regenwasserfiltern und der AQUALOOP Wasseraufbereitung stehen den Nutzen jedoch zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung das Regenwasser soweit aufzubereiten, dass es für zahlreiche Nutzungsarten verwendet werden kann.

Dabei muss bei den weltweit unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben zwischen privater und gewerblicher Nutzung unterschieden werden. Während bei der gewerblichen Nutzung der Anlagenbetreiber natürlich die gesetzlichen Vorgaben einhalten muss, da er ja das aufbereitete Wasser anderen Nutzern zur Verfügung stellt, hat er im privaten Bereich einen eigenen Ermessensspielraum.

Nutzungsmöglichkeiten:

  • Toilettenspülung
  • Gartenbewässerung
  • Waschmaschine
  • Duschwasser (teilweise Hygienisierung erforderlich)
  • Trinkwasser (mit Hygienisierung und entsprechender Aufbereitung)
  • Reinigungszwecke
  • Kühlung
  • Prozesswasser

Vorteile für Endverbraucher

  • Einsparung von steigenden Trinkwasser- und Abwassergebühren.
  • Weiches Regenwasser ist ein optimales Bewässerungsmedium für Pflanzen.
  • Reduzierung des Waschmittelverbrauches um bis zu 50 %.
  • Waschmaschinen verkalken nicht und Zusätze zur Kalkreduzierung sind überflüssig.
  • Ionenarmes Regenwasser verringert das Auftreten von Urinstein.

Vorteile für Gemeinden

  • Verringerung der Ausgaben für den Hochwasserschutz/ Hochwasservermeidung.
  • Senkung der Kosten im Kanalbau, der Kanalsanierung und im Kläranlagenbetrieb.
  • Einsparungspotenzial bei den Erschließungskosten von Neubaugebieten.
  • Sicherung des Grundwasservorrates und somit der Trinkwasserversorgung.

Grundlagen

Niederschlag

jährlicher Niederschlagsmengen (mm/Jahr) in Deutschland

Die Niederschlagsmenge [2] ist jene Menge flüssigen Wassers (Niederschlagswasser), die sich bei Niederschlag (Regen, Schnee, Hagel, Nebel usw.) in einer definierten Zeitspanne in einem geschlossenen Becken gesammelt hätte. Die Angabe erfolgt in Litern und bezieht sich auf einen Quadratmeter.

Die mittlere Jahresniederschlagsmenge
Auskunft über die mittleren Niederschlagswerte vieler Regionen sind über Wetter Internetseiten oder Wetterämter schnell zu bekommen. Die mittlere Niederschlagsmenge in Deutschland z.B. beträgt etwa 830 mm/Jahr. In den Alpenländern sind Niederschläge von 2000 mm keine Seltenheit.

mittlere Jahresniederschläge [3] ausgewählter Orte in Deutschland in mm/Jahr

Ort mm/Jahr Ort mm/Jahr Ort mm/Jahr Ort mm/Jahr
Aachen 806 Erfurt 528 Kassel 696 Neubrandenburg 569
Augsburg 824 Essen 893 Kempten 1275 Nürnberg 627
Bayreuth 675 Flensburg 816 Kiel 752 Passau 934
Berlin 593 Frankfurt/M. 655 Köln 804 Regensburg 643
Bonn 670 Freiburg 933 Konstanz 839 Saarbrücken 812
Bremen 713 Gera 608 Leipzig 586 Schwerin 625
Chemnitz 726 Görlitz 673 Lübeck 658 Siegen 1008
Cottbus 573 Greifswald 552 Magdeburg 521 Stuttgart 675
Dortmund 840 Halle 476 Mainz 587 Uelzen 616
Dresden 668 Hamburg 744 Mannheim 642 Ulm 744
Düsseldorf 757 Hannover 644 München 920 Wittenberg 576
Emden 778 Karlsruhe 740 Münster 747 Würzburgg 597

Die saisonale Verteilung des Niederschlages
Neben der mittleren Niederschlagshöhe ist für eine Speicherdimensionierung auch die saisonale Verteilung des Niederschlages eine wichtige Eingangsgröße.

Mean month planet.gif
Quelle [4]

Die Niederschlagshöhen der Regenereignisse
Neben den mittleren Jahresniederschlägen und der saisonalen Verteilung ist zur optimalen Dimensionierung insbesondere von Rohren, Regenwasserfiltern und Regenwasserrückhalteanlagen die Betrachtung von kurzzeitigen Regenereignissen von Wichtigkeit. Große Niederschlagsereignisse, die ca. 4- bis 10-mal im Jahr auftreten, tragen in den meisten Regionen kaum zum Wasserertrag bei. Am Beispiel Deutschland ist dies nur ca. 3 % der Wasserausbeute. Die kleineren Niederschläge liefern dagegen ca. 97 % der Wassermenge. Diese Erkenntnis ist für die Auswahl des geeigneten Filtersystems von besonderer Bedeutung.

Regendatenauswertung[5]

Niederschläge 1993 1994 1995 1996 1997 Mittel Gesamt
mm/5min  %  %  %  %  %  %  %
0,1 64,11 64,03 67,74 69,47 68,25 66,72 66,7
0,2 19,78 20,93 18,40 16,93 18,94 18,99 85,7
0,3 8,24 8,64 7,39 6,84 6,51 7,52 93,2
0,4 3,55 2,7 2,96 2,84 2,74 2,96 96,2

Die Tabelle zeigt, dass der Niederschlag zu mehr als 96% mit einer Intensität bis zu 0,4 mm/5 min fällt. Bei einer Dachfläche von 150 m² entspricht ein Regenereignis von 0,4 mm/5 min einem Zufluss von maximal 0,2 l/s.

Diese Niederschlagscharakteristik, dass die kleinen Niederschläge > 96 % der Niederschlagsmenge liefern, ist weltweit vergleichbar. Siehe z.B. auch die Starkniederschlagswerte für die USA

Auffangflächen

RWN Niederschlagsmenge.jpg

Der Regenwasserertrag hängt von Größe und Art der angeschlossenen Dachfläche und der Niederschlagsmenge ab. Nach Möglichkeit sind alle vorhandenen Dachflächen anzuschließen, um einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Dabei unterscheiden sich die unterschiedlichen Dachmaterialien sowohl in ihrem Ablaufverhalten als auch in der möglichen Belastung des hierüber gewonnenen Wassers.

Haus- und Garagendachflächen Sind die geeignetsten Auffangflächen bei der Regenwassernutzung. Besonders geeignet sind Dächer mit glatten Oberflächen wie Ziegel, Schiefer oder Glas. Ziegel- und Schieferdächer erhöhen zudem den pH-Wert des ggf. sauren Regens.

Hof- oder Parkflächen Bei Anschluss von Hof- oder Parkflächen muss je nach Schmutzfracht eine zusätzliche Vorreinigung erfolgen, teilweise sind bei Gefahr von Öleintrag entsprechende Abscheider erforderlich.

Gründächer weisen durch ihre natürliche Rückhaltewirkung einen erheblich geringeren Ertrag auf. Hierbei ist u.a. auf eine organische Belastung und auf eine Verfärbung des Wassers zu achten. Bei einem angemessenen Ertrag und fachgerechtem Aufbau sind Gründächer jedoch durchaus als Auffangflächen geeignet.

Bitumendächer bewirken vor allem bei neuen Dächern in der Anfangszeit eine Gelbfärbung des aufgefangenen Regenwassers. Um eine Färbung der Wäsche auszuschließen, sollte daher auf den Anschluss der Waschmaschine zumindest in den ersten Monaten verzichtet werden.

Asbestzementdächer Um eine Gefahr durch abgewaschene Asbestfasern zum Beispiel bei der Gartenbewässerung zu vermeiden, sollten Asbestdächer vor der Nutzung saniert werden.

Metalldächer Kupfer, Zink und Blei können je nach Konzentration im Ablauf nicht für die Nutzpflanzenbewässerung geeignet sein. Im Zweifel hilft eine Wasserprobe. Zur Zierpflanzenbewässerung, für WC-Spülung und Waschmaschine kann es problemlos eingesetzt werden.

Komponenten einer Regenwassernutzungsanlage

Professionelle Regenwassernutzungssysteme (keine Gartentonnen), setzen sich meist aus den gleichen Komponenten zusammen:

Filterung

Bachlauf

siehe auch online Planer

Eine gute Wasserqualität des wieder zu verwendenden Regenwassers ist durch mehrere, einfache Maßnahmen zu erzielen.

  • Selbstreinigender Feinfilter
  • Schutz vor Rückstauwasser und Kleintieren
  • Skimmerüberlauf
  • Schwimmende Ansaugfilterung
  • Feinfilter
  • Hygienisierung
  • Sedimentation und biologische Reinigung
  • Lagerung

Wie sinnvoll diese Maßnahmen sind, wird auch durch den Einsatzbereich des Regenwassers bestimmt, der von der einfachen Bewässerung bis hin zur Trinkwasserererzeugung gehen kann.

Selbstreinigende Feinfilter

Filterwirkungsgrade

Selbstreinigende Feinfilter sind heute ein selbstverständlicher Bestandteil der modernen Regenwassernutzung. Beste Ergebnisse werden mit einer Siebweite von etwa 0,8 mm erzielt. Der Schmutzeintrag in den Regenwasserspeicher und die Wartungsintervalle gleichermaßen werden minimiert. Besonders sollte darauf geachtet werden, dass die eingesetzten Siebe in einer Mulde angeordnet sind, wie das Testergebnis einiger Regenwasserfilter eindrucksvoll aufzeigt. So gibt es selbstreinigende Regenwasserfilter am Markt, bei denen über 50 % des wertvollen Wassers in den Überlauf laufen, ein katastrophaler Verlust!

Sammeln

97 % der Niederschläge stammen von kleinen Regenereignissen und sollen gesammelt werden

Besonders wichtig ist es darauf zu achten, dass die kleinen Niederschläge, die 97 % der Wassermenge liefern, zu 100 % gesammelt werden. Beim PURAIN-Filter z.B. erfolgt das in einem Sammelbereich. Nur so kann ein effektiver Gesamtwirkungsgrad von > 98 % erreicht werden. Bei Filtern ohne einen solchen Sammelbereich laufen die kleinen Niederschläge immer über denselben Siebbereich. Hierdurch setzt sich dieser Bereich schnell zu und die kleinen Niederschläge fließen in den Überlauf.

Selbstreinigen

3 % der Niederschläge stammen von starken Regenereignissen und dienen der Reinigung

Für die Selbstreinigung (Austrag von Blättern etc. aus dem Sammelbereich) werden geeigneterweise die Starkregenereignisse verwendet. Die großen Niederschlagsereignisse, die ca. 4- bis 10-mal im Jahr (Deutschland) auftreten und nur zu ca. 3 % zur Wasserausbeute beitragen, reinigen beim PURAIN Filter z.B. durch einen Strömungswirbel, dem sogenannten Wechselsprung, den Sammelbereich.

Schutz vor Rückstauwasser und Kleintieren

Rückstauklappe und Kleintierschutz

Sauberes Wasser bedeutet nicht nur das zufließende Regenwasser zu reinigen, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass kein Schmutz oder Kleintiere aus dem angeschlossenen Entwässerungssystem in den Überlauf des Speichers gelangen. Dies lässt sich einfach mit einer Rückstauklappe gewährleisten. Einige Filter, wie der PURAIN 100 enthalten diese bereits. In einigen Ländern, wie Deutschland ist die Rückstauklappe Bestandteil der Norm (DIN 1989 Teil 1 vorgeschriebene Rückstauklappe für den Anschluss des Überlaufes an ein Trennsystem).

Skimmerüberlauf

Skimmerüberlauf

Ein Überlaufskimmer saugt bei jedem Überlaufvorgang des Speichers den schwimmenden Oberflächenschmutz ab und leitet ihn automatisch in den Schmutzwasserablauf. Dies ist eine sinnvolle und praktische Maßnahme Fette, Blütenpollen etc.. regelmäßig aus dem Speicher auf einfache Art zu entfernen. Beim PURAIN 100 Filter ist der Skimmer bereits integriert.

Schwimmende Ansaugfilterung

Schwimmende Ansaugfilterung

Eine schwimmende Entnahme mit Ansaugfilterung gewährleistet, dass die Pumpe immer das sauberste Wasser des Speichers entnimmt. Falls doch einmal gröbere Schmutzpartikel in den Speicher gelangt sind, hält die schwimmende Entnahme diese zurück und schützt die Pumpe. Der Ansaugfilter sollte nicht zu feinmaschig sein, um eine Verblockung durch Biobewuchs zu verhindern. Die Verblockung führt wiederum zu einem schnellen Pumpendefekt. Die ideale Maschenweite der Ansaugfilterung liegt bei 1 mm.

Feinstfilter

Durch den Einsatz der beschriebenen Filter- und Reinigungstechniken wird der Einsatz von Feinstfiltern mit Maschenweiten < 0,8 mm für den Betrieb von WC, Waschmaschine und Bewässerung überflüssig.

Für besondere Anforderungen an Prozesswasser können Feinstfilter gefordert sein. Ein solcher Filter ist dann unbedingt auf der Druckseite hinter der Pumpe zu installieren. Im Betrieb ist auf die regelmäßige Wartung zu achten, da Feinstfilter den Schmutz zurückhalten. Sie sind lichtundurchlässig auszuführen und es sollte auf eine einfache Wartungsmöglichkeit durch vorgesehene Absperrhähne und eine Entlüftung geachtet werden.

Hygienisierung

Siehe INTEWA WIKI Leitfaden zur Wasseraufbereitung und Grauwassernutzung

Sedimentation

Einlaufberuhigung

Das zulaufende Wasser enthält noch feine Stoffe, die vom Filter nicht zurück gehalten werden. Diese Sedimentationsbestandteile setzen sich mit der Zeit am Boden des Speichers ab, wo z.T. zusätzlich biologische Selbstreinigungseffekte wirksam werden. Um ein Aufwirbeln der entstehenden Sedimentationsschicht zu vermeiden, soll der Zufluss in die Zisterne über eine Einlaufberuhigung erfolgen.

Lagerung des Wassers

Um eine optimale Wasserqualität sicherzustellen, spielt die fachgerechte Lagerung des Regenwassers eine entscheidende Rolle. Das Wasser sollte am besten kühl und lichtgeschützt gelagert werden, um Algen- und Bakterienwachstum so gering wie möglich zu halten. Außerdem muss der Speicher frostsicher aufgestellt werden.

Dem Speicher kommt bei der Regenwassernutzung allein schon aufgrund seiner Baugröße besondere Bedeutung zu. In tropischen Ländern mit täglichen Niederschlägen reicht bereits ein Speicher mit wenigen hundert Litern zur Deckung des täglichen Wasserbedarfs eines Einfamilienhaushaltes aus. In einigen Gegenden Spaniens gibt es heute noch Wasserzisternen mit mehreren hundert m3 Speicherinhalt, um langanhaltende Trockenperioden zu überbrücken. Wenn sich die Niederschlagsereignisse relativ gleichmäßig über das Jahr verteilen (z.B. Deutschland) und auch noch gut dem Bedarf der angeschlossenen Verbraucher entsprechen, sind die sinnvollen Speichergrößen viel kleiner, als häufig angenommen. Um eine sinnvolle Speichergröße ermitteln zu können, müssen also Informationen über die Menge und Verteilung der Niederschläge sowie des Bedarfes vorhanden sein.

Grundsächlich werden folgende Speicherarten unterschieden:

Oberirdische Speicher

Oberirdischer Speicher

Frei aufstellbare, oberirdische Speicher können im Garten, im Keller oder auf dem Dach eines Hauses aufgebaut werden. Häufig werden Sie verwendet, wenn keine Möglichkeiten für den Erdeinbau eines Speichers vorhanden sind, wie bei der Nachrüstung, bei felsigem Untergrund oder bei zu enger Bebauung.

Die Speicher müssen statisch so dimensioniert sein, dass sie dem Wasserdruck dauerhaft ohne Verformungen standhalten. Hinweis: Die meisten Erdspeicher können nicht frei aufgestellt werden.

Weiterhin ist es wichtig, dass diese Speicher absolut lichtundurchlässig ausgeführt sind, um ein biologisches Wachstum zu vermeiden. Frei aufstellbare, oberirdische Speicher werden aus zahlreichen Materialien produziert, die gängigsten sind: PE, PP, GFK, Beton, beschichtete Metalle, aber auch Holz und Lehm kommen zum Einsatz.

Erdspeicher

eignen sich bei vielen Neubauten, wenn ohnehin Ausschachtungsarbeiten anfallen. Sie können unter Parkflächen oder Einfahrten platzsparend untergebracht werden.

Erdspeicher müssen für eine jahrzehntelange Standzeit und die Aufnahme von Erd- sowie Verkehrslasten dimensioniert sein. Erdspeicher werden aus zahlreichen Materialien produziert, die gängigsten sind: PE, PP, GFK, Beton.

PE oder HDPE Kunststofftanks

Kunststofftanks werden in verschiedenen Herstellungsverfahren produziert. Beim gängigsten Verfahren, dem sogenannten Rotations-Sinter-Verfahren wird PE (recyclebares Polyethylen) in einer hohlen Form geschmolzen, gedreht und abgekühlt. Nach der Entformung können die Hohlkörper (Tanks) entnommen werden. Da die Werkzeugkosten nicht besonders hoch sind, sind viele verschiedene Geometrien auf dem Markt verfügbar. Die Stabilität und Qualität der Speicher wird durch die geeignete Geometrie, Wandstärke und die Rippenstruktur bestimmt. Meistens werden diese Speicher in der sogenannten begehbaren Ausführung (keine Verkehrslast)angeboten und sind mit Volumina von 1000 bis max. 10.000 Litern für den Einfamilienhausbereich geeignet. Um größere Speichervolumina zu erzielen, können auch mehrere Speicher gekoppelt werden. Ihr geringes Gewicht ermöglicht einen günstigeren Transport als Betonspeicher und ein einfaches Absetzen in die Baugrube ohne Kran. Die meisten Kunststofferdspeicher sind nicht geeignet bei hohem Grundwasserstand oder bindigen Böden (Lehm). Die gleichmäßige Verfüllung und Verdichtung mit geeignetem Füllmaterial ist bei Kunststoffzisternen eine Voraussetzung, um die notwendige Stabilität zu erzielen.

GFK Speicher (glasfaserverstärkter Kunststoff)

GFK Speicher

Für große Speichervolumina bis ca. 250 m³, meist im gewerblichen Bereich, sind GFK Speicher zu empfehlen. Sie können aus einem Stück gefertigt werden. Die Produktion ist relativ flexibel, so dass auf die Anforderungen größerer Bauvorhaben eingegangen werden kann, wie z.B. hohe Belastungen bis SLW60, flexible Anschlusswahl, Integration weiterer Einstiegsschächte, Einbauten, Rohre, Zwischenwände etc.. Diese Speicher eignen sich auch als Retentionsspeicher oder Löschwasserbehälter.

Betonzisternen

Betonzisterne

Viele Betonwerke produzieren heute monolithische Zisternen (ohne Fugen im Wasserbereich) für die Regenwassernutzung in Größen von bis zu 20 m³. Aufgrund des Gewichtes der Zisternen und der entsprechend hohen Transportaufwendungen für spezial LKW mit Heckkränen finden sie meist wenige 100 km regional Ihren Einsatz um das Herstellwerk. Da die Zisternen am geeignetsten vom Heckkran aus direkt in die Baugruben eingesetzt werden, müssen diese für den LKW gut zugänglich sein. Die meisten Betonzisternen sind in der Regel mindestens PKW befahrbar und mit entsprechender Abdeckung auch LKW befahrbar. Bei entsprechender Erdüberdeckung können Betonspeicher auch bei hohem Grundwasser verwendet werden. Bindiger Boden ist zumeist ebenfalls unproblematisch. Größere Volumina lassen sich durch Koppelung mehrerer Zisternen oder in Ortbeton Bauweise realisieren. Die Qualität einer Betonzisterne bestimmt sich durch die Betongüte (z.B. Druckfestigkeitsklasse C45/55), die Armierung (Stahlbewehrung mindst. in Zisternenboden und Deckel) und der Wandstärke (mindest. 8 cm).

Ehemalige Öltanks und Klärgruben

Manchmal können auch ehemalige Klärgruben oder alte Öltanks als Regenwasserspeicher umgerüstet werden. Die alten Tanks sollten jedoch noch gut in Schuss sein, ansonsten ist die Umrüstung teurer und aufwendiger, als gleich einen neuen Speicher zu verwenden. Eine Beschichtung für einen Stahlspeicher kann schnell teurer sein, als ein neuer Regenwasserspeicher.

Tunnelsystem

Tunnelsystem

Sind besondere Bauformen und Größen für die Regenwasserspeicherung gefragt, kann es sinnvoll sein, Kunststoffelemente aus der Regenwasser- Versickerung und Retention zu verwenden. DRAINMAX Tunnelelemente z.B. können dazu in eine Folienwanne installiert werden. Das Speichervolumen setzt sich dann zusammen aus dem Hohlraumvolumen im Füllmaterial und dem Speichervolumen der Tunnel.

Planung und Dimensionierung

siehe auch online Planer

Um eine optimale Speichergröße berechnen zu können, ist das Verhältnis von Regenwasserertrag und Betriebswasserbedarf zu ermitteln.

Regenwasserertrag

Eine genaue Simulationsrechnung kann mit Programmen, wie dem RAINPLANER durchgeführt werden. Dabei werden statt des mittleren Niederschlagswertes konkrete Regenereignisse für jeden Tag berücksichtigt. Außerdem können das Ablaufverhalten unterschiedlicher Dachmaterialien sowie der Überlauf des Speichers bei Starkregenereignissen genau nachgebildet werden. Für eine überschlägige Rechnung, die meist zur Dimensionierung der Speichergröße ausreichend ist, hat sich die folgende Berechnung des mittleren jährlichen Regenwasserertrags bewährt:

Regenwasserertrag = Dachfläche x Niederschlagsmenge x Abflussbeiwert x Filterwirkungsgrad
projezierte Dachfläche

Dachfläche: Als Dachfläche ist die projizierte Dachfläche einschließlich aller Überhänge in m² einzusetzen.

Niederschlagsmenge: Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge in mm/Jahr ist der Übersichtskarte zu entnehmen. Genauere Angaben sind beim jeweiligen Wetteramt zu erfragen.

Abflussbeiwert: Der Abflussbeiwert bestimmt den Anteil der Niederschläge an den Gesamtniederschlägen, der tatsächlich vom Dach abläuft. Hierbei handelt es sich um eine stark vereinfachte Nachbildung des Rückhalteverhaltens unterschiedlicher Dachmaterialien, die sich in der Praxis bewährt hat.

Abflussbeiwert verschiedener Dachbedeckungen gemäß DIN 1989 Teil1:

Dachbedeckung Abflussbeiwert
geneigtes Hartdach 0,8
Flachdach bekiest / unbekiest 0,6 / 0,8
Gründach intensiv / extensiv 0,3 / 0,5

Filterwirkungsgrad: Bei Verwendung der PURAIN Filter kann mit einem effektivem Wirkungsgrad des Filters von 0,98 gerechnet werden.

Beispiel 1

Berechnung des Regenwasserertrags
* Einfamilienhaus mit 100 m² Dachgrundfläche und Ziegelsteindach
* jährlicher Niederschlag = 750 mm/Jahr
* Abflussbeiwert = 0,8
* Filterwirkungsgrad = 0,98
=>Regenwasserertrag = 100 m² x 750 mm/Jahr x 0,8 x 0,98 x 10-3 = 59 m³/Jahr

Betriebswasserbedarf

Wasserbedarf Liter/ Person und Tag; a. Trinken; b. Kochen; c. Geschirrspüler; d. Waschen; e. Zähne putzen; f. Baden - 2 mal wöchenlich; g. Duchen - 2 mal wöchenlich; h. Toilette; i. Waschmaschine; j. Wohnung reinigen; k. Autowäsche; l. Blumen gießen; m. Gartenbewässerung
Quelle [6]

Der Betriebswasserbedarf hängt von den angeschlossenen Verbrauchseinheiten und deren Nutzung ab. Für den Bedarf pro Person und Tag sind in der folgenden Tabelle einige Durchschnittswerte zusammen gefasst:

Tägl. durchschn. Verbrauch / Person
Wohnhaus Toilettenspülung 30 Liter
Waschmaschine 10 Liter
Gartenbewässerung 60 l/m² Jahr
Reinigungszwecke 6 Liter
Dusche, Baden, Handwaschbecken 59 Liter
Trinkwasser 1 Liter
Bürogebäude Reinigungszwecke
Toilettenspülung 12 Liter
Schule / Sportanlage Toilettenspülung 6 Liter
Beregnungsanlage 200 l/m²

Beispiel 2

Berechnung des Betriebswasserbedarfs
* täglicher Betriebswasserbedarf 4-Personen-Haushalt:
* Toilettenspülung 30 Liter / Pers. x 4 Pers. = 120 Liter
* Waschmaschine 10 Liter / Pers. x 4 Pers. = 40 Liter
* Gartenbewässerung 1 Liter / Pers. x 4 Pers. = 4 Liter
=> Gesamter Betriebswasserbedarf pro Tag: 164 Liter
=> Jahresbedarf: 164 Liter/Tag x 365 Tage = 60 m³

Bei einem Vergleich mit dem in Beispiel 1 ermittelten Regenwasserertrag von 60 m³ für ein Einfamilienhaus zeigt sich, dass nahezu der gesamte Bedarf von Toilette, Waschmaschine und Garten durch den mittleren Regenwasserertrag gedeckt werden könnte.

Speichergrößen

Speichergröße

Ertrag = Bedarf
Decken sich Regenwasserertrag und Regenwasserbedarf, so hat sich als einfacher Auslegungswert ein Speichervolumen von 5 % des durchschnittlichen jährlichen Regenwasserertrages bewährt. Dabei ist ein nicht nutzbares Tankvolumen von ca. 300 Litern zu berücksichtigen, das aus dem Raum zwischen Ansaugstelle und Speicherboden resultiert:

Bild einfügen

Ertrag << Bedarf
Bei einem Regenwasserertrag, der dauerhaft wesentlich geringer als der Betriebswasserbedarf ist, sind kleiner dimensionierte Zisternen vorzuziehen. In diesem Fall ist ein Speichervolumen von 3 % des durchschnittlichen jährlichen Regenwasser-Ertrages ausreichend. Bei zu geringem Ertrag sollte zunächst geprüft werden, ob weitere Dachflächen (z. B. Nachbargebäude) an die Anlage angeschlossen werden können. Falls dies nicht möglich ist, kann es u. U. sinnvoll sein, nur einen Teil der Verbrauchsstellen an die Regenwassernutzung anzuschließen, um so die notwendige Menge nachgespeisten Trinkwassers gering zu halten.

Ertrag >> Bedarf
In diesem Falle richtet sich die Dimensionierung vorwiegend nach dem Regenwasserbedarf und kann mit etwa 5 % des jährlichen Bedarfes grob abgeschätzt werden.

Beispiel 3

Ermittlung des benötigten Speichervolumens für ein Einfamilienhaus.
Die Daten hierzu werden aus Beispiel 1 und Beispiel 2 übernommen.
* Dachfläche (Ziegel): 100 m²
* Jährlicher Niederschlag: 750 mm
* Abflussbeiwert inkl. Filterwirkungsgrad: 78,4 %
=> Regenwasserertrag: 59 m³ pro Jahr
Anzahl der Nutzer: 4 Personen
Angeschlossene Verbraucher: WC, Waschmaschine, Gartenbewässerung
=>Betriebswasserbedarf: 60 m³ pro Jahr
* Die Dimensionierung des Speichervolumens erfolgt nach der 5%-Regel:
Speichervolumen: 0,05 x 59 m³ + 300L = 3,25m³

Speichersimulation mit Software

RWN Speichersimulation.jpg

Bei größeren Bauobjekten und gewerblicher Betriebswassernutzung sollte eine genaue Bedarfsanalyse vorgenommen werden, um z. B. den Einfluss von saisonalen Schwankungen, von Urlaubszeiten etc. zu untersuchen. Hier kann z.B. die Simulationssoftware RAINPLANER eingesetzt werden.

In der dargestellten Verlaufskurve sind die saisonalen Schwankungen zu erkennen. Im optimalen Fall pendelt sich der Füllstand im Speicher über das ganze Jahr gesehen um einen mittleren Wert ein. Einige Speicherüberläufe im Jahr sorgen für die Entfernung von eingetragenem Oberflächenschmutz von der Wasseroberfläche.

Wirtschaftliche Speichergröße

Simulationen, die schwankende Niederschlagsmengen und die Menge des Überlaufwassers berücksichtigen, belegen, dass der Speicher nicht zu groß gewählt werden sollte. Der Deckungsgrad beschreibt dabei den Anteil am Betriebswasserbedarf, der durch Regenwasser gedeckt werden kann. Für das Beispiel 3 ist dieser Wert in der folgenden Grafik in Abhängigkeit vom Speichervolumen dargestellt. Der maximal zu erzielende Deckungsgrad beträgt 94 %. Um diesen Wert zu erreichen, wäre jedoch ein äußerst großer Speicher notwendig. In der Praxis würde hier ein Speicher mit 3,5 m³ Inhalt eingesetzt, mit dem fast 80 % des Betriebswasserbedarfs durch Regenwasser gedeckt werden kann. Eine weitere Vergrößerung des Speichervolumens erhöht die Investitionskosten unnötig.

Speichersimulation

Um auch in Trockenjahren ein 3 bis 5-maliges Fortspülen der Oberflächenverschmutzung durch Überlauf des Speichers zu gewährleisten, sollte der Speicher nicht zu groß gewählt werden.

Anders verhält es sich bei reiner Gartenbewässerung. Hier kann es durchaus sinnvoll und gewünscht sein, das Regenwasser aus einer Regenperiode aufzufangen, um es in der kommenden Trockenzeit zu verwenden. Dies führt zu sehr großen Speichervolumina.

Ähnlich ist es in Gegenden mit ausgeprägten Trockenzeiten und Regenzeiten. Wird der gesamte Wasserbedarf für die Trockenperiode in der Regenperiode aufgefangen, so müsste der Regenwasserspeicher für das genannte Beispiel etwa die 6-fache Größe haben. Alternativ kann überlegt werden, ob die Regenwasseranlage aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nur während der Regenzeit und ggfls. mit einem noch kleineren Speicher betrieben wird.

Einbauhinweise für Regenwasserspeicher

Einbauhinweis Regenwasserspeicher

Für die Installation der Zisterne und Durchführung der Erdarbeiten ist es wichtig, die Höhe der Anschlüsse und die Einbautiefe zu ermitteln. Die hierzu benötigten Anschlussmaße der jeweiligen Speicher sind den technischen Datenblättern zu entnehmen. Die Ablaufrohre müssen frosttief mit etwa 1% Gefälle verlegt werden (in vielen Gegenden in Deutschland z.B. mit 80 cm).

Die Einbautiefe setzt sich demnach wie folgt zusammen:

frosttiefe Rohrverlegung F z.B. 80 cm
+ notwendiges Rohrgefälle G z.B. 10 cm
+ Zulaufhöhe am Tank Z z.B. 162 cm
= Einbautiefe des Speichers E z.B. 252 cm

Je nach Bodenbeschaffenheit sind beim Ausheben noch zusätzlich ca. 10 cm für die Vorbereitung des Untergrunds vor dem Einsetzen der Zisterne zu berücksichtigen.

Hoher Grundwasserstand

Bei einem hohen Grundwasserstand können nur speziell dafür ausgewiesene Zisternen verwendet werden. Zusätzlich muss eine Berechnung des Auftriebes erfolgen. Viele Betonzisternen können durch ihr Eigengewicht je nach Erdüberdeckung, im Grundwasser ohne zusätzliche Auftriebssicherung stehen. Zusätztliche Auftriebssicherungen können z.B. mit Bodenankern erstellt werden.

Einstiegsöffnung

Die Einstiegsöffnung des Speichers muss für spätere Reinigungs- und Wartungsarbeiten zugänglich gehalten werden. Zum Angleich an das Erdniveau können verschiebbare Domschächte oder Ausgleichsringe aus Beton eingesetzt werden. Zur Unfallvermeidung muss der Einstieg mit einem sicher verschließbaren Deckel versehen werden oder so schwer sein, dass Kleinkinder ihn nicht öffnen können.

Speicherüberlauf und Rückstauebene

Die Höhe des Speicherüberlaufs ergibt sich aus den Anschlussmaßen der Zisterne. An folgende Entwässerungseinrichtungen kann der Speicherüberlauf angeschlossen werden:

  • Versickerungseinrichtung
  • Regenwasserkanal bei Trennsystem
  • Mischwassersystem

Wo immer möglich, sollte der Speicherüberlauf an eine Versickerung angeschlossen werden, um das überschüssige Wasser vor Ort dem Grundwasser zuzuführen. Kommt eine Versickerung nicht in Frage, ist ein Kanalanschluss für den Überlauf vorzusehen. Bei vorhandenem Trennsystem wird das Wasser dem Regenwasserkanal zugeführt. Anderenfalls erfolgt ein Anschluss an das Mischwassernetz.

Selten auftretende Starkregenereignisse können zu einer Überlastung der jeweiligen Entwässerung führen. Das anfallende Wasser kann nicht mehr geordnet abgeführt werden und ein Rückstau des Wassers in die Zisterne tritt ein. Wegen seiner möglichen Rückwirkung auf den Speicher ist in diesem Fall bei der Planung einer Regenwasseranlage diesem Punkt besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Es muss, insbesondere bei Anschluss an das Mischwassersystem, verhindert werden, dass Schmutzwasser aus der Kanalisation in den Speicher gelangen kann.

Die Rückstauebene gibt an, bis zu welcher Höhe sich das Wasser in der Kanalisation maximal anstauen kann. Die Lage der Rückstauebene wird zumeist von der örtlichen Behörde festgelegt. Anderenfalls gilt als Rückstauebene die Höhe der Straßenoberkante (DIN 1986).

Speicherüberlauf oberhalb der Rückstauebene

Speicherüberlauf oberhalb der Rückstauebene

Im günstigsten Fall liegt der Überlauf oberhalb der Rückstauebene. In diesem Fall kann das Überlaufwasser mit dem vorhandenen Gefälle direkt zum Kanal geleitet werden. Dabei muss sich der Überlauf an der Zisterne mindestens 20 cm oberhalb der Rückstauebene befinden. Der Überlauf muss unterhalb der Zulaufleitung liegen, sein Durchmesser größer oder gleich dem der Zuleitung sein.

Speicherüberlauf unterhalb der Rückstauebene an Regenwasserkanal oder Versickerungssystem

Speicherüberlauf unterhalb der Rückstauebene

Kann der Überlauf nicht rückstausicher an die Entwässerungseinrichtung angeschlossen werden, so ist nach DIN1989-1 über eine einfache Rückstauklappe sicherzustellen, dass bei einem Rückstau kein Wasser in die Zisterne gelangen kann.

Speicherüberlauf an Mischwassersystem unterhalb der Rückstauebene oder zu höher liegender Versickerungseinrichtung

Regenwasserspeicher als Pumpschacht
Vorgabe nach Norm DIN1989-1

Bei einem Anschluss des Speicherüberlaufes an einen Mischwasserkanal oder an eine höher liegende Versickerungseinrichtung sollte nach DIN1989-1 eine Hebeanlage zum Einsatz kommen. Mit einer Hebeanlage wird das Wasser bei Erreichen des maximalen Wasserstandes durch eine Tauchpumpe über die Rückstauebene gefördert. Es ist darauf zu achten, dass die Druckleitung auch im Bereich der erhöhten Rückstauschleife frostsicher verlegt ist. Die Rückstauschleife kann dazu auch im Haus verlegt sein. Die Dimensionierung der Pumpe erfolgt nach DIN 1986-100 mit r(5,100). Die Pumpe kann dabei im Regenwasserspeicher untergebracht werden, wodurch ein zusätzlicher Pumpschacht entfällt.

Ausführung in der Praxis

Wogegen beim Anschluss an die höher gelegene Versickerung und Retention eine Hebeanlage auch technisch unbedingt erforderlich ist, ist mit dem Kunden bei Anschluss an das Mischwassersystem abzusprechen, ob nicht doch die Installation einer einfachen Rückstauklappe ausreichend ist. Das Risiko einer fäkalen Verschmutzung durch Rückstau aus dem Mischwasserkanal kann relativiert werden, da in der Regel die Zisterne ohnehin voll Wasser steht, wenn es zu einem Überlaufen des Kanalsystems kommt. Weiterhin sind die Verschmutzungen bei diesen Regenereignissen sehr stark verdünnt.

In der Praxis werden solche Hebeanlagen fast nie verwendet.

Ebenso verhält es sich mit der Dimensionierung der Hebeanlage, da bei der Berechnung nach DIN 1986-100 mit r(5,100) sehr große Volumenströme errechnet werden. Die Volumenströme können reduziert werden, wenn ein zusätzliches Puffervolumen geschaffen wird, um das maßgebende Starkregenereignis zu reduzieren.

Erforderliche Tauchmotorpumpenleistung bei Einsatz als Hebeanlage im Regenwasserspeicher am Beispiel der Starkniederschlagsreihen von Köln mit und ohne Puffervolumen:

Regenspende r5, 100 = 648,5 l/(s-ha) Dachfläche A = 100 m²
V = 0 V = 1 m³
Pumpenleistung [l/min] Pumpentyp Pumpenleistung [l/min Pumpentyp
389 BIOX 400/12 195 DRENOX 250/10

Die Pumpenempfehlung berücksichtigt eine Gesamtförderhöhe (Hgeo + HVerlust) von max. 2 m.


Sowohl Hebeanlagen als auch Rückstauverschlüsse unterliegen im Betrieb der Wartungspflicht und müssen daher über Revisionsöffnungen zugänglich gehalten werden. Außerdem ist der Fall zu beachten, dass wegen eines Pumpendefekts oder anstehendem Rückstau kein Wasser aus dem Speicher abgeführt werden kann, obwohl weiter Wasser zuläuft. Bei Außenzisternen ist dann ausnahmsweise ein unkontrollierter Wasseraustritt aus einem Notüberlauf, welcher im Zisternendeckel sein kann, zu akzeptieren. Ein Eindringen des Wassers in das Gebäude z.B. über das Leerrohr muss jedoch sicher ausgeschlossen werden.

Pumpen, Brauch- und Regenwasserwerke

siehe auch online Planer

Leitungsnetz und Zubehör

Auf seinem Weg zum Verbraucher durchläuft das Regenwasser unterschiedliche Leitungen. Die Versorgung der Entnahmestellen einer Regenwassernutzungsanlage erfolgt über ein eigenes sogenanntes Betriebswassernetz. Das Betriebswassernetz muss aus korrosionsbeständigen, lichtundurchlässigen Materialien bestehen. Die Saugleitung zur Pumpe sollte, um Undichtigkeiten vorzubeugen, in einem Stück verlegt werden. Optimal ist der Einsatz von hochwertigem, knickfestem EPDM Gummimaterial (PVC-Schlauch ist aufgrund der Weichmacher nicht geeignet!). Er kann sich beim Ansaugen der Pumpe nicht zusammenziehen, gewährleistet aber trotzdem durch seine Flexibilität die schwimmende Entnahme und eine einfache Verlegung durch ein Leerrohr. Bei Unterwassermotorpumpen dämpft ein EPDM Druckschlauch zudem die Druckstöße beim Einschalten der Pumpe ab. Bei Saugpumpen ist zur Isolierung als Übergang zwischen Pumpe und starrem Betriebswasserleitungssystem ein Panzerschlauch einzusetzen. Bei besonders schnellschließenden Verbrauchern oder ungünstig verlegten Leitungssystemen kann zwischen Verbraucher und Steuereinheit ein Ausdehnungsgefäß erforderlich werden.

Leitungen und Leerrohre sollten zum Haus hin mittels einer Mauerdurchführung sicher abgedichtet werden.

RWN Leitungsnetz.jpg

1. Regenwasserwerk RAINMASTER Eco 8. Regenwasserfilter PURAIN
2. Trinkwasseranschluss 9. schwimmende Ansaugfilterung
3. Druckanschlussset mit Ausdehnungsgefäß 10. Zulaufberuhigung
4. Druckleitung zu den Verbrauchern 11. Schutzrohr für Saugleitung und Sensorkabel
5. Schwimmschalter 11. Regenwasserzuleitung
6. Saugleitung 12. Mauerdurchführung MD-100
7. Notüberlauf

Rechtliches

Bei der Installation einer Regenwassernutzungsanlage sind einige Vorschriften zu beachten. Hier sind die Deutschen Richtlinien und Normen aufgezeigt.

DIN- Normen:

Regelungsbereich Regelwerk Inhalt
Wasserversorgung DIN 1989 Norm für Regenwassernutzungsanlagen
DIN 1989 Teil 1 Planung, Ausführung, Betrieb und Wartung
DIN 1989 Teil 2 Regenwasserfilter
DIN 1989 Teil 3 Regenwasserspeicher
DIN 1989 Teil 4 Bauteile zur Steuerung und Überwachung
DIN EN1717 Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigung ...
DIN 4034 Teil 1 Schächte aus Beton
DIN 1986-100 Restnorm: Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke
DIN EN 12056 Entwässerung innerhalb von Gebäuden ...
DIN EN 752 Entwässerung außerhalb von Gebäuden ...

Anzeige- und Genehmigungspflichten:

Regelungsbereich Regelwerk Inhalt
Baugenehmigung Landesbauordnung I.d.R. werden Zisternen in der gängigen Größe für Ein- und Zweifamilienhäuser nicht als genehmigungspflichtig angesehen. Eine Darstellung des Anteils der Regenwasseranlage an der Grundstücksentwässerung im Rahmen des Entwässerungsgesuchs reicht aus. Die Nutzung von vorhandenen Behältern als Regenwasserspeicher bedarf einer Genehmigung
Wasserversorgung AVBWasserV §3 Antrag auf Teilbefreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang + Anzeigepflicht vor Errichtung der Anlage beim kommunalen Wasserversorger
AVBWasserV §14 kommunaler Wasserversorger ist berechtigt, Kundenanlage nach ihrer Inbetriebnahme zu überprüfen
Trinkwasserverordnung Mitteilungspflicht an das Gesundheitsamt bei Inbetriebnahme, Stilllegung oder baulichen Veränderungen Kennzeichnungspflicht der Betriebswasserleitungen, strikte Trennung von Trink- und Betriebswassernetz.

Die Nutzung von Regenwasser zum Wäschewaschen bleibt der Entscheidung des Verbrauchers überlassen. Einem Mieter muss die Wahlmöglichkeit zwischen Trink- und Regenwasser zu diesem Zweck gegeben werden. Hinweis: Bei geeigneter Anlagentechnik ist das Wasser problemlos auch für das Wäschewaschen geeignet!

örtliche Trinkwassersatzung evtl. Anzeigepflicht bei Inbetriebnahme der Anlage

Die Aussagen zu Anzeige- und Genehmigungspflichten sind als Regelwerte anzusehen. Einzelheiten sind bei den entsprechenden Behörden zu erfragen.

Quellen

  1. europäische Trinkwasserverordnung vom 08.11.2000
  2. Wikipedia
  3. Deutscher Wetterdienst
  4. commons Wikimedia
  5. der Jahre 1993 bis 1997 in Siegen Forschungsstelle Wasserwirtschaft fwu Universität Siegen
  6. DIN 1989-1, Universität Oldenburg

Literatur